Telefon: +49 371 4 58 41 33
Fax: +49 371 4 58 41 36
E-Mail: kanzlei@ra-kohn.de
Andreas M. Kohn
Fürstenstraße 28
09130 Chemnitz

Abzocke nach Totalschaden

Versicherer zahlen oft zu wenig SCHADENERSATZ an Unfallopfer

An der Schuld gab es keine Zweifel: Der Fahrer vom Pizza-Service verpennte das Stoppschild und rammte Gisela Schwarz*. Knochen heil, aber ihre Kawasaki war Schrott. Weil der Crash-Schock ihr die Lust auf eine neue Enduro erst mal vermiest hatte, wollte die umgerempelte Bikerin das fällige Geld von der Versicherung vor­erst auf ihrem Konto parken. Im Fachchinesisch heißt so etwas „fiktive Abrech­nung“. Den Totalschaden an der Maschine bezifferte der Sachverständige auf 2.500,00 Euro.

Doch die HUK-Coburg, Haftpflichtversicherer des eiligen Bäckers, überwies nur 2.100,00 Euro. Begründung: Nach einer Gesetzesänderung vom August vergangenen Jahres könnten „nur Nettobeträge erstattet werden“. Deshalb habe man die Ent­schädigung gleich ohne Mwst. überwiesen, 400,00 Euro weniger entsprechen genau 16 %.
Für Rechtsanwalt Jochen Pamer aus Wassertrüdingen eine glatte Abzocke. Die Versicherung dürfe nicht voll 16 % vom Totalschaden einbehalten. Korrekt wäre, lediglich die Mehrwertsteuer für die Gewinnspanne zwischen Ein- und Verkaufs­preis eines Händlers für einen entsprechenden Ersatz einzubehalten. Das wären nach einer pauschalen versicherungsinternen Kalkulation ungefähr zwei Prozent vom Kaufpreis für einen gleichwertigen Gebrauchten. Gisela Schwarz hätte dem­nach nur 50,00 Euro statt 400,00 Euro Abzug hinnehmen müssen.

Juraprofessor Christian Huber kommentiert die Rechenkünste einiger Assekuran­zen nach Totalschäden mit deutlichen Worten: „Haftpflichtversicherer ziehen Ge­schädigte übern Tisch.“ Huber weiß, wovon er spricht. Der Professor ist Lehr­stuhlinhaber für Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht und Arbeitsrecht an der TH Aachen und ein führender Spezialist für Schadensregulierung. „Die Versicherer“, so Huber weiter, „handeln wider besseres Wissen“.

Branchenriese HUK-Coburg bestreitet heftig jede Schummelei:“ Es trifft nicht zu, dass wir bei Abrechnung eines Fahrzeug-Totalschadens generell 16 % Mehr­wertsteuer in Abzug bringen.“ Fachleute nennen das Regelbesteuerung. Es gebe allerdings, schieben die HUK-Strategen vorsorglich nach, eine Reihe von Ausnah­men.